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13
Jul

Unterernährung – Nährstoffmangel – Überernährung

Mangelernährung hat viele Gesichter. Ein Mensch kann durch zu wenig Nahrung unterernährt sein, durch die falsche Nahrung ein Defizit an Nährstoffen haben oder durch ein zu viel an Nahrung überernährt sein. So ist es auch zu verstehen, dass im zuletzt erschienenen Global Nutrition Report (2020) in nahezu allen Ländern eine Form von Mangelernährung bei einem gewissen Prozentsatz der Bevölkerung festgestellt wurde. In den Entwicklungsländern ist vor allen Dingen die Unterernährung immer noch ein großes Thema. Ziel der Agenda 2030 der Vereinten Nationen ist es daher u.a. auch, den Hunger bis 2030 weltweit zu beenden. Die Artemed Stiftung hat 2021 zur Verbesserung der Situation in Tansania das Projekt ‚Community Approaches to Address Childhood Undernutrition‘ initiert. 

Anhand des Welthunger-Index (WHI) wird die jährliche Hungersituation auf globaler, regionaler und nationaler Ebene analysiert. Er ist also ein Maß für die Hungersituation einer bestimmten Region und soll zu einer stärkeren Wahrnehmung der Problematik führen und die regional stark unterschiedlichen Verhältnisse deutlich machen.

‚Hunger‘ wird hierbei von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als das Leid, das durch einen Mangel an Kalorien entsteht, definiert. Von Unterernährung spricht man, wenn dem Körper über einen längeren Zeitraum zu wenig Energie in Form von Nahrung zugeführt wird. Die benötigte Energie ist dabei bei jedem Menschen unterschiedlich und abhängig von Geschlecht, Alter, Statur und der körperlichen Aktivität.

Zur Berechnung des WHI werden zunächst die vier Kenngrößen ‚Unterernährung der Bevölkerung‘, ‚Auszehrung bei Kindern‘, ‚Wachstumsverzögerung bei Kindern‘ und ‚Kindersterblichkeit‘ eines Landes oder einer Region ermittelt. Aus diesen Indikatoren wird dann der vergleichbare dimensionslose Index berechnet.

Weltweit hat sich der WHI in den vergangenen zehn Jahren (seit 2000) deutlich verbessert. Einen Wert von > 50, der der Einstufung ‚gravierend‘ entspricht, wurde im Jahr 2000 für fünf Länder berechnet. Im Jahr 2020 wird der höchste WHI mit 44,7 (entspricht der Einstufung ‚sehr ernst‘) im Tschad erreicht. Nur zwei weitere Länder (Madagaskar und Timor-Leske) erhielten dieselbe Einstufung.

Auch in Tansania, wo die Artemed Stiftung seit 2018 die medizinische Versorgung im St. Walburg’s Hospital Nyangao unterstützt, konnte eine Verbesserung des WHI von 40,8 (2000) auf 25 (‚ernst‘) in den letzten zehn Jahren erzielt werden. Diese Entwicklung ist zwar erfreulich, dennoch bedeutet ein WHI von 25 keineswegs eine befriedigende Situation. Hinzukommt, dass eine genauere Betrachtung des WHI für Tansania aufzeigt, dass die Verbesserung insbesondere durch eine Abnahme des Parameters ‚Wachstumsverzögerung bei Kindern‘ und ‚Unterernährung der Bevölkerung‘ zustande kommt. Wohingegen die ‚Auszehrung bei Kindern‘ zeitweise sogar zugenommen hat und derzeit wieder auf dem Wert des Jahres 2000 liegt. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass der WHI von 25 für das gesamte Land berechnet wurde. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass es hier große regionale Unterschiede gibt: Vor allem die abgelegenen und weniger entwickelten, ländlichen Regionen sind immer signifikant stärker betroffen.

Die Artemed Stiftung hat daher in diesem Jahr ein Projekt gestartet, das sich speziell mit dem Thema Unterernährung von Kindern in der Region des St. Walburg’s Hospitals (Region Lindi) befasst. Dabei ist das primäre Ziel mit Ärzten vor Ort und in Kooperation mit den Gemeinden, ein umfassendes Konzept zu erarbeiten und umzusetzen, das die Unterernährung von Kindern bekämpft.

Das Projekt läuft seit Frühjahr 2021 und wird vor Ort von der Projektkoordinatorin Geni S. Mabelya betreut. Im Juni 2021 wurde die erste Projektphase erfolgreich abgeschlossen. Ziel war es, eine gute Datengrundlage zu erarbeiten, die wichtige Informationen über die Ernährungssituation in der Region gibt und darüber hinaus erste Hinweise liefert was die Gründe für eine Unterernährung bei den Kindern sein könnte.

Folgende Daten wurden hierfür aufgenommen:

  • BMI der Mütter bei Geburt
  • Gewicht der Kinder bei Geburt
  • MUAC test (MUAC = Mid-Upper Arm Circumference; ein Schnelltest für Kinder, um den Ernährungszustand festzustellen)
  • Generelle Gesundheit des Kindes
  • Hb- Wert (Hämaglobinwert)

Zusätzlich wurden die hygienische Situationen und familiäre Situation in den Gemeinden begutachtet, es wurde festgehalten wie lange die Mütter ihre Kinder stillen und in welchem Umfang ältere Kinder nährstoffreiche Nahrung zu essen bekommen.

Neben der Aufnahme der Daten wurden jedoch auch bereits erste Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation vorgenommen. Hier lag der Schwerpunkt auf der Bildungsarbeit, um der Bevölkerung verständlich zu machen, welche Nahrungsmittel helfen, eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten.

Darüber hinaus wurden Kontakte mit verschiedenen Entscheidungsträgern der Gemeinden geknüpft, um auch hier diesem Thema mehr Dringlichkeit zu geben.

Erfreulicherweise konnten sogar einigen Kindern ganz konkret geholfen werden. Diese konnten durch Spezialnahrung im Krankenhaus das Defizit der nicht oder nicht ausreichend stillenden Mütter überwinden und nun mit einem Normalgewicht wieder nach Hause gehen.

So zum Beispiel Munifu, die mit 3 kg zur Welt kam, aber in ihrem ersten halben Lebensjahr nicht zugenommen hat. Mit fünf Monaten kam sie in das St. Walburg’s Hospital, wo sie schnell zunahm. Um eine nachhaltige Entwicklung auch in der Familie zu garantieren, wurde ihre Mutter in Grundlagen für eine gesunde Ernährung geschult.

Die Kinder werden innerhalb des Projektes weiter betreut. In der zweiten Projektphase wird außerdem eine genauere Auswertung der Daten erfolgen und die Bildungsarbeit noch verstärkt.

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