Medizin und Technik – ein starkes Paar für das St. Walburg`s Hospital in Tansania

Seit Jahren engagieren sich Dr. Silke und Henrik Rausch für die Artemed Stiftung. Dr. Silke Rausch ist Oberärztin für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin im Chirurgischen Klinikum München Süd. Ihr Mann Henrik ist Ingenieur und Senior Program Manager beim Technologiekonzern Rohde & Schwarz in München. Medizin ist ohne Technik in der heutigen Zeit nicht mehr vorstellbar, daher ergänzen sich die beiden in der Stiftungsarbeit ganz hervorragend. Vor allem für die Aufbauarbeit, die es in den nächsten Jahren im St. Walburg`s Hospital in Tansania zu leisten gilt, ist ihre Expertise von unschätzbarem Wert. In einem Gespräch gewährten sie uns Einblicke in ihre persönlichen Beweggründe für ihr Engagement und ihre Visionen für das St. Walburg`s Hospital.

 

Frau Dr. Rausch, schon seit 2017 verbringen Sie einen Teil Ihrer Urlaube damit, unter schwierigen Bedingungen Menschen in Not ärztliche Hilfe zu leisten. Was lässt sie auf Sonne, Sand und Meer verzichten?

Dr. Silke und Henrik Rausch im Irrawaddy Delta

Silke Rausch: Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung unter schwierigen und für uns ungewöhnlichen Umständen zu arbeiten. Ich lasse mich gerne auf andere Lebens- und Arbeitsweisen ein, improvisiere und versuche, das Bestmögliche mit den vorherrschenden Gegebenheiten zu realisieren. Häufig kann man mit wenigen Mitteln und kleinen Anregungen den Alltag für die Kollegen vor Ort erleichtern und letztendlich durch Training der Kollegen die Qualität und Sicherheit der Behandlung für die Patienten erhöhen.

So schwierig es oft ist, so schön ist es aber auch, die Dankbarkeit und Freude der Mitarbeiter, wie auch der Patienten zu erfahren. Das gibt mir persönlich viel zurück und ich sehe die Probleme hier bei uns deutlich gelassener.

Herr Rausch, Sie sind weder Mediziner noch Artemed Mitarbeiter. Wie kam es, dass Sie zum technischen Leiter der Stiftungsprojekte wurden?

Henrik Rausch: Das ist eine ungewöhnliche Geschichte. Sie begann vor knapp 3 Jahren mit dem ersten Einsatz meiner Frau Silke auf dem alten Holzfrachter der Irrawaddy River Doctors in Myanmar. Im Anschluss planten wir einen gemeinsamen Urlaub um Land, Leute, Kultur und Natur besser kennenzulernen.

Meine Frau berichtete mir von zahlreichen technischen Problemen an Bord, die dringend zu lösen wären. Allerdings stellte sich heraus, dass der Frachter in so bedenklichem Gesamtzustand war, dass statt Reparaturen dringend ein Ersatzschiff gefunden werden musste. Durch eine glückliche Fügung ergab es sich, dass das heutige Stahlschiff kurzfristig erworben werden konnte.

Meine Frau erzählte Min Min, unserem Manager vor Ort, dass ich möglicherweise helfen könne. Es ergab sich das erste Gespräch und plötzlich stand ich auf dem „neuen“ Schiff. Obwohl das Schiff erst zwei Jahre alt war, erkannte ich schnell, dass nahezu die gesamte technische Anlage an Bord ersetzt werden musste.

Henrik Rausch gibt eine Schulung bei den Irrawaddy River Doctors

Aufgrund des Umfangs dieser Herausforderung bat ich Felix Strey, einem weiteren sehr erfahrenen Elektroingenieur aus meiner Abteilung bei Rohde & Schwarz um Unterstützung. Gemeinsam sanierten wir in mehreren Aktionen die gesamte Anlage. Mit Nikolai Ninov konnte ich im Verlauf einen weiteren erfahrenen System- und Softwareingenieur aus meiner Abteilung für das Technikteam der Artemed Stiftung gewinnen. Inzwischen betreuen wir zusammen mit unserem burmesischer Elektriker Khaw Thu zu viert das Schiff per Fernwartung 24/7 und sorgen so für eine zuverlässige, stabile technische Infrastruktur an Bord für die tägliche Arbeit der medizinischen Crew.

Seit einiger Zeit arbeiten wir daran, eine adäquate Trinkwasserversorgung an Bord zu installieren. Leider waren alle Versuche, gemeinsam mit lokalen Partnern eine Lösung zu entwickeln, aus kommerzieller oder qualitativer Sicht nicht erfolgreich. Seitdem kümmere ich mich zusammen mit deutschen Experten auch um diese Aufgabe.

Mit Übernahme des Projekts in Nyangao stieg der Arbeitsumfang weiter an. So ergab es sich, dass ich zum technischen Leiter der Stiftung wurde.

Sie beide haben bereits Erfahrungen bei den Irrawaddy River Doctors in Myanmar sammeln können. Hilft Ihnen das jetzt für Ihre Aufgaben in Tansania?

SR: Ja auf jeden Fall. Ich habe früher schon im Ausland gearbeitet und jedes Mal wertvolle Erfahrungen gesammelt, auf welche ich immer wieder zurückgreifen kann. Die Arbeit bei den Irrawaddy River Doctors (IRD) und auch die Mitarbeit im ärztlichen Beratergremium der IRD hilft mir insofern, dass es auch ein Projekt der Artemed Stiftung ist und ich dadurch die Abläufe und Organisation der Stiftung inzwischen gut kenne. Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten macht Spaß, man kennt sich und das erleichtert vieles.

Das St. Walburg´s Hospital in Nyangao ist ein großes und vielseitiges Projekt, mit vielen unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten und einer ganz anderen Struktur (Geschäftsführung, Kirche, Staat, Verwaltung…) als bei den IRD. Medizinisch gesehen gibt es erstmal dieselben Anforderungen zu erfüllen, wie auf dem Schiff bei den IRD z.B. Hygiene, Aufbereitung von chirurgischen Instrumenten, Etablierung sinnvoller Arbeitsabläufe, Material, Medikamente usw. und vor allem Schulung des Personals. Jede bisher gesammelte Erfahrung ist hilfreich und es wird im weiteren Verlauf bestimmt neue und andere Herausforderungen geben, die es zu meistern gilt.

HR: Aus technischer Sicht sind beide Projekte ähnlich. Wie damals in Myanmar ist die elektrische Anlage in Nyangao sanierungsbedürftig. Und bei der IT starten wir wie in Myanmar praktisch von Null. Eine komplexe technische Anlage auf einem völlig autarken Schiff irgendwo im Nirgendwo auf einem entlegenen Flussarm rund um die Uhr 100% zuverlässig verfügbar zu halten, ist eine anspruchsvolle Daueraufgabe. Seien es Auswirkungen der extremen Betriebsbedingungen oder die intensive Nutzung, die kontinuierliche Regelung der Energiebalance oder das Remote Management der IT – ohne tägliches Monitoring und Wartung wäre ein zuverlässiger Betrieb kaum aufrecht zu halten.

In dieser Hinsicht ist die Aufgabe in Nyangao erheblich einfacher. Dagegen ist der Umfang der notwendigen Arbeiten in Nyangao um ein vielfaches größer. Die Auslegung der Infrastruktur erfordert eine ganz andere Größenordnung.  

 

Auch das St. Walburg`s Hospital haben Sie bereits besucht und erste Gespräche geführt bzw. mitgearbeitet. Wie war Ihr Eindruck von der Situation vor Ort, was hat Sie am meisten bewegt?

SR: Das St. Walburg´s Hospital liegt im Süden von Tansania. Die Hauptstadt mit Regierungssitz und Verwaltung ist weit weg und genau das sieht man vor Ort – man könnte fast schon behaupten dieser südliche Teil des Landes ist für manche „vergessen“. Allein die Reise dorthin dauert lange und ist mühsam. Die Menschen leben auf dem Land unter einfachsten Bedingungen. Eine kleine Hütte, teilweise besteht diese aus Holzpfosten, einem Dach aus Zweigen, Ästen und Palmwedeln. Die Wände bestehen aus Tüchern oder geflochtenen Matten. Ein einziger Raum für alle, der Boden ist der natürliche Untergrund aus Sand und Lehm. Geschlafen wird auf einer dünnen Matte auf dem Boden. Kein fließend Wasser, kein Strom, gewaschen wird an zentralen Stellen, wo es Wasser gibt, im Fluss oder im See. Gekocht wird vor der Hütte über dem Feuer, daraus resultieren viele großflächige und schwere Verbrennungen, häufig bei Kindern. Zu Essen gibt es, was um die Hütte in der Umgebung wächst, selbst Gebackenes, Fleisch stammt von Tieren der Herde oder was aus der Stadt mitgebracht wurde. Die Kinder müssen weite Wege zur nächsten Schule zurücklegen. Medizinische Versorgung gibt es nicht, die ist meist weit entfernt. Der Weg in ein Krankenhaus kann viele Stunden betragen, oft zu Fuß oder mit einem Fahrrad.

Einfacher haben es die Menschen die in der Nähe großer Dörfer oder kleinen Städten wie Nyangao leben. Sie haben schnelleren Zugang zu medizinischer Versorgung. Dort sind die Hütten oder kleinere Häuser gemauert, Wasser ist im oder zumindest in der Nähe des Hauses verfügbar. Es gibt eine Infrastruktur im Sinne von Märkten, kleinen Läden, Werkstätten, Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das St. Walburg´s Hospital wurde vor Jahrzehnten von den Benediktinerinnen übernommen und ausgebaut. Unter der langjährigen Leitung von Sr. Raphaela Händler wurde es baulich vergrößert und medizinisch erweitert. Von der damals gut durchdachten Planung und der verwendeten guten Bausubstanz profitiert das Krankenhaus wie auch die Umgebung (Wasserversorgung) heute noch. Allerdings ist vieles in die Jahre gekommen und funktioniert nicht mehr. Aus verschiedenen Gründen konnte bisher nur das Nötigste repariert werden.

Inzwischen kommen viel mehr Patienten aller Fachrichtungen oder nach einem Unfall ins Krankenhaus und es ist zu klein. Immer mehr Schwangere suchen zur Entbindung die geschützte Umgebung des Krankenhauses auf, anstelle einer Entbindung im Busch. Der Kreissaal bietet nicht die dafür notwendige Ausstattung und Räumlichkeiten hierfür, auch das Personal ist häufig nur angelernt oder unerfahren. Mit dem Neubau des ambulanten OP-Traktes sind die Kapazitäten im operativen Bereich ausgeweitet worden, leider fehlt es an essentieller Ausstattung und ununterbrochener Stromzufuhr für die OP-Säle bzw. für das gesamte Krankenhaus. Das medizinische Personal ist sehr unterschiedlich ausgebildet. Gut ausgebildetes Personal ist in diesem Teil des Landes rar und es gilt möglichst viele Schulungen und „hands-on“-Trainings vor Ort durchzuführen.

Während unseres letzten Aufenthalts musste ich miterleben, wie ein neugeborenes Kind wegen nicht ausreichenden Kenntnissen und unzureichender Betreuung während der Geburt wenige Stunden später an einer Komplikation verstarb. Mit entsprechender Schulung des Personals im Kreissaal hätte es sicherlich überlebt.

Die Tansanier sind ein stolzes Volk. Es braucht etwas Zeit, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Mitarbeiter waren nach einer kurzen Gewöhnung an uns sehr offen. Sie fragten viel nach und wollten wissen, ob es Verbesserungsvorschläge gäbe. Ich konnte ihnen viel zeigen und erklären. Einige sind sehr motiviert und gerne bereit, etwas zu bewegen.

Die neue Geschäftsführung arbeitet bereits an Lösungen zur Behebung erkannter Schwachstellen. Es wurden Bereiche und Themen priorisiert, konkrete Pläne zur Verbesserung ausgearbeitet und teilweise auch schon umgesetzt. Bei meinem zweiten Besuch in Nyangao, nur gut 5 Monate nach dem ersten Besuch konnte ich deutliche Veränderungen in verschiedensten Bereichen sehen. Vorschläge und Anregungen unsererseits wurden angehört, diskutiert und Zustände verändert. Ich denke, dass dies eine wichtige Basis für die weitere Zusammenarbeit ist.

Was mich am meisten bewegt hat, war zu sehen, wie mit wenig Aufwand und Mitteln geholfen werden kann. Es ist schwer zu ertragen, wenn Menschen an für uns einfach zu behandelnden Erkrankungen sterben oder nach einem Unfall lebenslang behindert bleiben, weil es keine dafür notwendige Behandlung (z.B. Verschraubung von Knochenbrüchen) gibt. Ebenso trifft es Kinder, die großflächige Verbrennungen haben (Kochen über dem Feuer), Neugeborene oder Mütter die Stunden nach der Geburt sterben – und das nur, weil es keine angemessene Versorgung gibt.

Am allermeisten beeindruckt mich jedes Mal, wie die Menschen geduldig all die schwierigen Bedingungen ertragen, wie dankbar sie um jede Hilfe sind und mit strahlendem Lächeln und liebevollen Gesten diese Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.

HR: Wenn man nach mehreren Stunden Fahrt im Geländewagen in Nyangao ankommt, ist der erste Eindruck geschäftiges Treiben entlang der einzigen Hauptstraße, viel Armut und trotzdem ein gewisser Stolz und Lebensfreude der Menschen, die hier leben. Im Vergleich zu den reicheren Städten, reicht es hier auf dem Land gerade so zum Überleben. Die halbe Verwandtschaft der Patienten schart sich außerhalb des Krankenhausgeländes, um ihre Angehörigen innerhalb mit Lebensmitteln zu versorgen.

Besonders berührt hat mich, wie die Patienten mit einer unglaublichen Geduld und Ruhe warten und ihre persönliche Situation ertragen. Dankbar nehmen sie jede medizinische Hilfe an, die ihnen angeboten wird.

Anfangs spürte ich einerseits eine Lethargie und Resignation und andererseits eine Skepsis hinsichtlich all unserer Vorhaben. Seit dem Wechsel in der Leitung des Krankenhauses ist frischer Wind zu spüren, man sieht und fühlt eine Aufbruchsstimmung. Seitdem wird wortwörtlich aufgeräumt. Für mich ist das nicht nur eine sichtbare Veränderung. Es ist ein psychologisch wichtiger Schritt – gemeinsam Platz schaffen für Neues.

Erlebnisse wie diese bewegen mich bis heute: Während eines nächtlichen Stromausfalls startete der 50 Jahre alte Notstromdiesel nicht mehr. Aufgrund fehlender und unzureichender Pufferung fielen längere Zeit alle elektrischen Geräte aus – Beatmungsmaschinen, Narkosegeräte, wichtige Geräte im OP, auf der Intensivstation und im Kreissaal. Im OP ging während eines Kaiserschnitts das Licht aus. Während meine Frau mit der Taschenlampe zum OP eilte, lief ich mit einer Taschenlampe zum Generatorhaus, um dort mit dem lokalen Techniker den ähnlich betagten Ersatzgenerator zum Laufen zu bringen.

St. Walburg`s Hospital in Tansania

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Kooperation mit dem St. Walburg`s Hospital in den nächsten drei Jahren?

HR: Die erste große Herausforderung ist eine 100% stabile elektrische Infrastruktur. Es ist für mich unerträglich, dass in einem Krankenhaus wegen Strompro

blemen lebensnotwendige Maschinen ausfallen und Menschenleben gefährden. Wir haben daher im Ingenieurteam ein komplett neues mehrstufig abgesichertes Energiemanagementkonzept entwickelt, das wir vor Ort installieren werden. Damit können wir eine Ausfallsicherheit erreichen, wie wir sie bei uns kennen und wie sie für einen Krankenhausbetrieb notwendig ist. Als Nebeneffekt erwarten wir dadurch eine signifikante Einsparung von Betriebskosten.

Die zweite, aus meiner Sicht noch größere Herausforderung ist die Migration von der derzeitigen analogen Papierflut zu einer IT basierten Datenverwaltung. Hierzu braucht es eine zuverlässige IT Infrastruktur, welche wiederum die eben beschriebene 100% stabile elektrische Stromversorgung voraussetzt.

Als ich mich erstmals mit den Themen beschäftigte, war mein spontaner Gedanke: Braucht man denn sowas in einem Buschkrankenhaus?

Wenn man die Abläufe mit denen eines deutschen Krankenhauses vergleicht, sind viele im Grunde gleich: Personalverwaltung, Patientenakten, Befundergebnisse, Medikamentenverwaltung, Statistiken, Rechnungswesen und mehr. Die digitale Plattform soll in der Verwaltung Abläufe vereinfachen, Abrechnungsfehler und Verluste reduzieren. Des Weiteren soll die geplante IT Infrastruktur dem medizinischen Personal einen spürbaren Mehrwert bringen, sei es durch bessere Kommunikationsmöglichkeiten oder einfacheren und schnelleren Zugriff auf Patienteninformationen.

Sicherlich wird dies ein langer, steiniger Weg. Die Schaffung der notwendigen IT Infrastruktur ist die essentielle Voraussetzung. Doch damit ist es mitnichten getan. Wenn man bedenkt, dass PCs für viele Mitarbeiter komplett Neuland sind, wird es einige Zeit und viele Schulungen brauchen, bis jeder mit den neuen Systemen zurechtkommen und sich der erwartete Nutzen für alle erkennbar zeigen wird.

Die Einsätze vor Ort werden kein Vergnügen. Wir werden täglich unter physisch und psychisch teilweise sehr belastenden Bedingungen arbeiten und Dinge sehen, die jedem mehr oder weniger nahegehen. Es ist eines der höchstriskanten Gebiete für die gefährliche Malaria Tropica. Ich bin froh, dass wir erfahrene hochqualifizierte Kollegen und Mithelfer gefunden haben, die körperlich und mental bereit sind, trotz der schwierigen Umstände anzupacken.

SR: Medizinisch wird es hauptsächlich darum gehen, die Qualität in den einzelnen Bereichen durch gezielte Maßnahmen zu verbessern. Ein großes Thema ist beispielsweise die Hygiene. Dieses beinhaltet Mitarbeiterschulungen aller Bereiche, Verfügbarkeit und Gebrauch von Desinfektionsmitteln, funktionierende Wasserhähne und Waschbecken. So gibt es für viele Bereiche konkrete Pläne, allen gemeinsam ist die gezielte Mitarbeiterschulung. Des Weiteren geht es darum, das Personal gut auszubilden, zu fördern und ans Haus zu binden. Aus allen Maßnahmen resultiert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und eine höhere Behandlungsqualität für die Patienten. Um diese Pläne umsetzen zu können, braucht es erfahrende Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Fachbereichen, die sowohl hier in Teams die Maßnahmen und Schulungen vorbereiten, wie auch Einsätze vor Ort durchführen und die geplanten Vorhaben unter schwierigen Bedingungen umsetzen können.

 

Gibt es schon Ideen und eine Strategie, wie die medizinische Versorgung der jährlich 40.000 Patienten künftig verbessert werden kann?

SR: Wie bereits erwähnt, werden (für gewisse Bereiche wurden) Projektgruppen für die einzelnen medizinischen Themen gegründet, deren Aufgabe es u.a. sein wird, vor Ort mitzuarbeiten, Schulungen durchzuführen, Arbeitsabläufe zu etablieren und somit die Mitarbeiter zu unterstützen. Die Kontinuität der Maßnahmen, gezielte und wiederholte Schulungen sind wichtige Bestandteile der Strategie. Die tansanischen Kollegen werden über Medien wie Email, WhatsApp, SMS… unterstützt, so findet ein Informationsaustausch statt, auch wenn kein Artemed-Stiftungs-Mitarbeiter vor Ort ist.

Zahlreiche bauliche Maßnahmen sind zur Verbesserung der Situation vor Ort notwendig. Einerseits ist das Krankenhaus mittlerweile zu klein für die vielen Patienten, andererseits sind viele Reparaturen notwendig. Häufig fehlen die technischen Voraussetzungen für den sicheren Betrieb medizinischer Geräte.

Langfristig wird die Anschaffung von Material und Geräten sinnvoll, sobald die technischen Voraussetzungen gegeben sind und das Personal ausreichend geschult ist.

Eine enge Kooperation auf allen Ebenen ist essentiell für den Informationsaustausch, Planung sinnvoller Maßnahmen und die Umsetzung der Maßnahmen. Der Schlüssel dazu wird eine gute Zusammenarbeit der Teams in Deutschland und Tansania sein.

HR: Eine gute technische Infrastruktur schafft die Basis für effizientere medizinische und organisatorische Abläufe. Dies wird sich irgendwann auch in Quantität und Qualität der Behandlungen widerspiegeln. Zudem werden sich viele neue Möglichkeiten für das medizinische Personal ergeben, was letztendlich auch den Patienten zugutekommen wird.

Mittelfristig planen wir Energiekosten einzusparen und mehr finanzielle Mittel für medizinische Zwecke zur Verfügung zu haben. Das Design der neuen elektrischen Anlage ist bereits für eine zukünftige Erweiterung um Solartechnik ausgelegt.

Langfristig gibt es Ideen, die Reichweite und Anbindung des Krankenhauses über den Luftweg zu verbessern. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Bis dahin sind allerdings viele andere, dringlichere Themen zu lösen.

 

Herr Rausch, Sie arbeiten für einen großen Technologiekonzern in München. Erfahren Sie auch von dieser Seite Unterstützung für Ihr Engagement?

HR: Bereits für das erste Projekt in Myanmar gab es Unterstützung für mein Engagement durch meinen Arbeitgeber Rohde & Schwarz. Um das anspruchsvolle Projekt in Nyangao realisieren zu können, braucht es koordinierte tatkräftige Einsätze eines ganzen Ingenieurteams vor Ort. Rohde & Schwarz wird der Stiftung auch dieses Mal kräftig unter die Arme greifen und unserem Team ermöglichen, unser technisches Know-How für die Stiftung einzusetzen. Anders wären die gesteckten Ziele kaum zu erreichen.

 

Hatten Sie beide vorher schon eine Verbindung zu Tansania?

SR: Ja, wir waren vor sieben Jahren in Tansania im Urlaub. Drei Wochen quer durch´s Land und am Ende des Urlaubes noch einige Tage auf Mafia-Island. Wir haben in kleinen privaten Unterkünften gewohnt, sind mit dem Bus gereist und haben so Land und Leute kennen gelernt. Dadurch hatten wir regelmäßig Kontakt zu Einheimischen und einen guten Einblick in die Lebensweise und Lebensbedingungen bekommen. Ich habe viele beeindruckende Erlebnisse vom Land und den Menschen in Erinnerung.

HR: Wenn man an Tansania denkt, fallen einem zuerst der Kilimandscharo, türkisblaues Meer vor Sansibar und atemberaubende Wildlife-Safaris ein. Auch wir waren vor einigen Jahren als Backpacker nach Tansania gereist. Auf dem Weg ins Landesinnere trafen wir abends in einem kleinen Restaurant auf den Leiter eines Dorfkrankenhauses, änderten unsere Reisepläne und fanden uns am nächsten Tag im Krankenhaus wieder. Dieser Besuch hat mich sehr bewegt.

Dass wir Jahre später in Nyangao gemeinsam in so großem Umfang helfen können, hätte ich damals nicht gedacht.

Für die Artemed Stiftung sind Sie die perfekte Ergänzung. Spiegelt sich dies auch privat wieder?

SR: Ja, ich habe häufig Ideen, wie irgendwelche Dinge doch anders und „viel einfacher“ laufen könnten. Henrik überlegt kurz und findet dann dafür eine technische Lösung, welche ich (meistens) verstehe und anwenden kann. Ich wiederum bin dann für das Design zuständig. Geräte, Kabel und Vorrichtungen werden versteckt oder möglichst unauffällig integriert. Bei Anwender-Problemen in unseren Projekten wie bei den IRD habe ich eine andere, nicht-technische Perspektive und so entstehen gemeinsame Ideen und neue Lösungen.

HR: Ich probiere viele technische Dinge im Vorfeld aus, realisiere Prototypen und teste sie dann im heimischen Umfeld auf Alltagstauglichkeit. Dank der großen medizinischen Erfahrung von Silke kann ich so Lösungen entwickeln, die operative Verbesserungen für medizinische Abläufe ermöglichen. Mit meiner Frau Silke habe ich das besondere Glück einer Anwenderin, die all meine technischen Analysen und teilweise umfangreichen Probeaufbauten geduldig mit einem Lächeln erträgt.

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