Aktuelles

15
Apr

Informationen zur aktuellen Lage aus den Projektländern

Wir stehen im engen und regelmäßigen Kontakt mit unseren Projektteams zum Schutz vor COVID-19 und seiner Ausbreitung. Doch wie ist die allgemeine Lage in den Projektländern? Welche Maßnahmen entwickeln die Länder und was passiert auf politischer Ebene?

Wir stellen Ihnen hier nun regelmäßig Artikel zusammen, die Ihnen die Lage in Bolivien, Tansania und Myanmar vor Augen führt.

Informationen zur aktuellen Lage in Bolivien:

  • Gewehre und Gebete – Boliviens Rechtsregierung droht in der Coronakrise mit Einsatz des Militärs und hofft auf Beistand von oben

»Die Hausaufgaben kommen über die WhatsApp-Gruppe der Mamas, heute waren es Satzkonstruktionen«, erklärt Daniela Orellana. Die alleinerziehende Mutter bekommt jetzt die Schulaufgaben ihrer zehnjährigen Tochter via Messenger auf ihr Handy. Die Regierung hat am 12. März alle Schulen in Bolivien schließen lassen. »Wegen Corona«, sagt die 30-Jährige und streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seit dem 26. März sind nicht nur die Schulen und Universitäten dicht, sondern es herrscht generell eine Ausgangssperre. Nur zum Einkaufen und wenn es unbedingt notwendig ist, darf man das Haus verlassen. Für Daniela Orellana ist es nicht nur deswegen eine schwierige Situation, weil sie nun ihre Tochter im Haus hat. Mit ihrer Schwester und ihrer Mutter betreibt sie einen kleinen Laden. »Momentan kaufen die Leute fast nichts mehr, nur noch Brot«, meint sie, »auch ansonsten ist es gerade schwer, wegen der Ausgangssperre Geld zu verdienen.« Wie ihr geht es vielen: Geschätzt über 60 Prozent der Bolivianer*innen verdienen ihre Brötchen im informellen Sektor, auf Märkten, im Taxi oder als Minibusfahrer.

Die Ausgangssperre stößt nicht nur auf Verständnis. In den Randbezirken von El Alto kam es bereits zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und aufgebrachten Marktbesucher*innen. Im Norden, im Beni, kam es bereits zu Hungerprotesten, weil nach Tagen ausbleibender Einnahmen kein Geld mehr für Lebensmittel da ist. Auch in Bolivien ist das Coronavirus inzwischen Thema Nr. 1, auch wenn die Fallzahlen noch relativ gering sind. Alle wissen, dass sich das schnell ändern kann, Vertrauen in das Gesundheitssystem gibt es kaum, und selbst die De-facto-Präsidentin Jeanine Añez empfahl ihren Landsleuten zu beten. Es sei »die stärkste Waffe, die das Land hat«, ließ Añez in einer Fernsehansprache verlauten.

In der Bergbaustadt Oruro, die bisher die meisten bestätigten Infizierten hat, gab es bereits zwei Wochen früher eine lokale Ausgangssperre. Auch die nicht zur Freude aller Bewohner*innen. Aufgrund von Protesten musste sich die Polizei aus einigen Stadtteilen zurückziehen, die Leute halten sich nicht überall an die Ausgangssperre. Arturo Murillo, Innenminister der De-facto-Regierung, rief die Präsidentin Añez dazu auf, für die Gebiete, deren Bewohner sich nicht an die Ausgangssperre halten, den Ausnahmezustand zu verhängen und mit dem Militär gegen die Uneinsichtigen vorzugehen. Das Dekret zu den Ausgangsbeschränkungen enthält auch eine Einschränkung der Meinungsfreiheit; Human Rights Watch kritisierte die De-facto-Regierung dafür vergangene Woche heftig.

Innenminister Arturo Murillo kommt die Pandemie zupass. Das Thema Ausnahmezustand hatte der Hardliner im Kabinett von Añez auch schon vor der Coronakrise immer wieder ins Spiel gebracht. Die Konflikte, die es seit dem Sturz von Präsident Evo Morales im November 2019 gibt, würde er am liebsten – so scheint es – mit dem Militär lösen. Bisher konnte Murillo sich innerhalb der Regierung damit nur teilweise durchsetzen, mit Corona scheint er eine neue Chance zu wittern.

(Thomas Guthmann, Neues Deutschland, Stand: 15.April 2020)

Informationen zur aktuellen Lage in Myanmar:

  • E-Mail von unserer Repräsentantin Su Myat Oo:

“Our government is trying their best and for Bogale township, we have home quaritine,community quarantine and facilities quarantine. At the moment 74 people are positive with covid 19. One positive patient from Pyapone township and lock down already. It is near Bogale township. From bogale hospital, there are 6 suspected of covid 19 and now their results are Negative. Results have been announced yeaterday.”

 

  • Wasserfest fällt aus – Myanmar fürchtet das Coronavirus

Nur 39 Corona-Infizierte weisen die jüngsten offiziellen Zahlen aus Myanmar aus. Gleich zehn davon kamen allerdings in den letzten 24 Stunden dazu. Immerhin von 62 Infektionen spricht in seinen Übersichten das renommierte Onlineportal Worldometer, das mit der Johns Hopkins Universität in den USA kooperiert. Vier Tote gibt es bisher. Noch am 16. März, als das benachbarte China bereits über 80 000 Fälle zählte und immer mehr Länder Lockdown-Maßnahmen verhängten, gab es in Myanmar keinen bestätigten Fall einer Corona-Infektion. Das jedenfalls behauptete bei einer Fernsehansprache Aung San Suu Kyi, die faktische Regierungschefin des südostasiatischen Staates.

Wie verlässlich diese öffentlich kursierenden Zahlen sind, lässt sich schwer sagen – Testmöglichkeiten im Land mit 54 Millionen Einwohnern sind überschaubar. So waren erst 214 Personen getestet, als es am 23. März mit Heimkehrern aus den USA und Großbritannien die ersten beiden bestätigten Positiv-Fälle gab. Zwar hatte die Regierung als Vorkehrungsmaßnahme schon im Februar die 2100 Kilometer lange Grenze mit dem großen Nachbarn China geschlossen. Seither kommen auch chinesische Waren nur noch mit großen Schwierigkeiten ins Land – wichtige Lieferketten in der lokalen Wirtschaft sind unterbrochen, damit Tausende Jobs gefährdet.

Die wochenlangen Beteuerungen, das Land sei noch virusfrei, hätten der Bevölkerung ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt, kritisierten Experten schon Ende März. Immerhin versucht die Regierung, die Einhaltung von Schutzmaßnahmen konsequent zu überwachen. Wer Quarantänecenter vorzeitig verlässt, wird ebenso bestraft wie ein Busgesellschaft, die eine behördliche Anordnung unterlief, dass Busse nur noch zur Hälfte besetzt werden dürften. Ein Bräutigam wurde zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe von circa 270 Euro verurteilt, weil er verbotenerweise mit der Hochzeit eine Massenveranstaltung abhielt, berichtete das Nachrichtenportal The Irrawaddy.

Selbst die verschiedenen Rebellengruppen helfen derzeit in den von ihnen kontrollierten Gebieten, Schutzmaßnahmen einzuhalten. Sie stoppen zurückkehrende Arbeitsmigranten an der Grenze zu Thailand oder geben in Dörfern Hygienetipps – dort gibt es teilweise nicht einmal Seife. Ärzte und andere Experten verwiesen bereits vor den ersten offiziellen Fällen auf das äußerst rudimentäre Gesundheitssystem, das gerade bei mehr Fällen in klinischer Behandlung ganz schnell überfordert sei. Internationale NGOs und Firmen haben den Großteil ihres Personals im Land heimgeholt, derzeit gibt es bis vorerst Monatsende ein Landeverbot für aus dem Ausland kommende Flüge. Offiziell abgesagt sind auch die Feierlichkeiten zum diese Woche laufenden Neujahrs-Wasserfest Thingyan. Ob das Verbot eingehalten wird, muss sich erst noch zeigen.

Am gefährdetsten im Land sind allerdings die Zehntausenden von Binnenflüchtlingen, die von den Kämpfen zwischen Armee und Rebellengruppen aus ihren Heimatorten vertrieben wurden. In den Lagern teilen sich teils 40 Personen eine Toilette, bis zu 600 eine Wasserstelle – massive Risiken für eine Verbreitung des Virus. Noch gravierender ist es über der westlichen Grenze. Dort, in der Region Cox’s Bazaar des benachbarten Bangladesch, hausen sogar 1,1 Millionen Rohingya-Flüchtlinge unter prekärsten Bedingungen. Allein 740 000 Angehörige der muslimischen Minderheit kamen bei der jüngsten Fluchtwelle aus Myanmar aufgrund der brutalen Militäroffensive im Teilstaat Rakhine im August 2017. Hilfsorganisationen befürchten eine Katastrophe, wenn das Virus die Lager erreicht. Bangladeschs Regierung hatte den ganzen Distrikt ab 9. April unter Quarantäne gestellt. Auch Hilfspersonal ist der Bewegungsspielraum nun eingeengt.

(Thomas Berger, Neues Deutschland, Stand: 15.April 2020)

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