Patienten auf dem Boot

„WENN DU JEMAND OHNE LÄCHELN SIEHST, GIB IHM DEINES“

(Burmesisches Sprichwort)

1. Geografische Lage und Bevölkerung

majestaetischer TempelGelegen in Südostasien zwischen China und Indien befindet sich Myanmar. Mit einer Fläche rund zweimal so groß wie Deutschland gliedert sich das Land in insgesamt sieben Staaten. Die Hauptstadt Nay Pyi Taw befindet sich zentral gelegen im inneren des Landes.
Die rund 55 Millionen Einwohner des Vielvölkerstaates gehören insgesamt 135 verschiedenen Ethnien an und verteilen sich über das Land mit einer Bevölkerungsdichte die dreimal so gering ist wie in Deutschland. Über die Hälfte der Menschen leben in ländlichen Regionen und verbringen den Alltag mit schwerer, körperlicher Arbeit.
Als Reisender in Myanmar spürt man schnell, wie sehr das Land vom Buddhismus geprägt ist. Die durch prachtvolle Tempel geschmückten Städte, wie zum Beispiel Bagan, machen einen majestätischen Eindruck. Der Tagesablauf der Bevölkerung richtet sich oft nach der Sonne. Die Menschen stehen früh auf und gehen zeitig zu Bett und folgen dabei dem burmesischen Lebensmotto: Nie den Sinn und den Weg aus den Augen zu verlieren.

2. Klima und Infrastruktur

Sumpflandschaft in MyanmarMyanmar befindet sich im Einflussbereich des Indischen Monsuns und ist von einem tropisch-feuchtwarmen Klima geprägt. Verkehr in MyanmarIm Wesentlichen lassen sich 3 Jahreszeiten unterscheiden: die Regenzeit, die von Mai bis Oktober andauert, eine kühle Zeit, die von Ende November bis Ende Februar herrscht, und eine heiße Jahreszeit, die in den Monaten März bis Mai auftritt.
Entlang der Südwestküste des Landes erstrecken sich riesige Sumpfgebiete, die teilweise nur mit dem Boot überquert werden können. Die fruchtbarsten Böden findet man entlang des Irrawaddy Deltas, welcher durch einen großen Teil Myanmars fließt. Die Hälfte der Landfläche in Myanmar ist mit Wäldern bedeckt. An der Küste und in den Bergen findet man Mangroven und einen tropischen Regenwald. Zitrusfrüchte und diverse exotische Tierarten haben hier ihr Zuhause.
Aufgrund der schwierigen klimatischen Verhältnisse, wie der starken Hitze in der Trockenzeit und der vielen Überschwemmungen sowie den Erd- und Seebeben in der Regenzeit, sind die Straßen Myanmars nur sehr schwer zu befahren und selten asphaltiert. Trotzdem hat sich das Straßennetz in Myanmar zu dem wichtigsten Verkehrsträger entwickelt. Aufgrund des schlecht ausgebauten Straßennetzes und der Größe des Landes bleibt das Flugzeug jedoch das schnellste Verkehrsmittel im Land. Der Sicherheits- und Qualitätsstandard befindet sich allerdings nicht auf dem europäischen Niveau.

3. Geschichte

Die Farben der neuen Flagge des Landes wurden mit Bedacht gewählt. Flagge MyanmarGelb steht hierbei für Solidarität, Grün für Frieden, Ruhe und die Umwelt, und die rote Farbe steht für Mut und Entschlossenheit
Von 1988 bis 2010 herrschte eine Militärdiktatur von welcher das Land heute noch teilweise geprägt ist. Die Lockerungen der internationalen Handelsblockaden 2011 bedeuteten den Anfang eines Demokratisierungsprozesses im Land. Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung jedoch weiterhin Zwangsarbeit, Zwangsräumungen von Dörfern, Folter und Kinderarbeit vor. Es kommt auch immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und dem Militär sowie zu ethnischen Auseinandersetzungen, welche in manchen Teilen des Landes der Grund für nächtliche Ausgangssperren sind.
Bis 1989 war das Land unter dem Namen Birma bekannt – benannt nach der größten Volksgruppe des Landes, den Birmanen. Auf diese Volksgruppe geht auch der heutige Landesname Name Myanmar zurück. Die Umbenennung erfolgte durch die Militärregierung des Landes und wurde per Gesetz beschlossen. Durch die Namensänderung sollten alle ethnischen Gruppen Myanmars eingeschlossen werden und sich das Land als selbstbewusster Staat präsentieren, welcher die Kolonial Zeit endgültig überwunden hat. In der Landessprache bedeutet die Silbe MYAN „fest, zusammenhaltend“ und die Silbe MAR „hart, stark“ oder auch „mächtig“.

 

4. Wirtschaft und Politik

Gemueseverkauf in MyanmarDie wirtschaftliche Öffnung des Landes konnte die Inflation immerhin senken, doch durch sein niedriges Bruttonationaleinkommen zählt das Land weiterhin zu den ärmsten der Welt. Im Jahr 1988 war die wirtschaftliche Lage des Landes katastrophal.
Inzwischen konnte das Regime mit Hilfe einer Mischung aus Staatskontrollen und Marktwirtschaft die Situation in Myanmar verbessern. Seit einigen Jahren ist es allerdings zu einem Stillstand gekommen und die stetig hohe Inflationsrate bleibt weiterhin bestehen. Rund ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren ist unterernährt und es wird befürchtet, dass sich das Land schon bald nicht mehr selbstständig mit Nahrungsmitteln versorgen kann.
Die Landwirtschaft spielt für die Wirtschaft Myanmars eine sehr große Rolle. Rund 70% der Beschäftigten sind in diesem primären Sektor tätig und er macht zudem fast die Hälfte des Bruttoinlandproduktes aus. Während der Kolonialzeit war Myanmar der größte Reisexporteur der Welt, jedoch konnte Ende 1989 der eigene Bedarf nur sehr knapp befriedigt werden. Mittlerweile wird wieder ein Überschuss produziert. Der Opium Anbau ist eine weitere wichtige Einkommensquelle der Landwirte. Des Weiteren ist Myanmar mit der größte Produzent an Edelsteinen, welche hauptsächlich nach China verkauft werden. Die beim Abbau eingesetzten Chemikalien, wie zum Beispiel Quecksilber, haben in vielen Gebieten zu Umweltschäden geführt. Auch die Wälder Myanmars stellen durch den Verkauf von Teakhölzern eine bedeutende Geldquelle da.Kinder auf der Baustelle
Durch das große Angebot an Sehenswürdigkeiten und Kultur, gilt Myanmar als beliebtes Reiseziel für Touristen. So konnte man in den vergangenen Jahren einen starken Zuwachs an Besucherzahlen verzeichnen.Aufnahme von Myanmar
Aufgrund seiner Politik ist es Myanmar nur möglich, sich sehr langsam weiterzuentwickeln. Im November 2015 fanden erstmals seit 25 Jahren freie Parlamentswahlen statt, aus welcher die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suun Kyi mit ihrer Partei NLD als Gewinnerin hervor ging. Die militärnahe, bis zu diesem Zeitpunkt regierende, Partei USDP räumte ihre Niederlage ein. Durch den Erfolg der Oppositionspartei NLD, die die meisten Sitze im Parlament erreichte, kann der Demokratisierungsprozess des Landes weiter vorangetrieben werden. Die Prognosen für Myanmar werden allgemein durch den Regierungswechsel als positiv eingeschätzt. Grundstein dafür bildet die Erneuerung der bestehenden Verfassung und das Vorhaben, dass der Staat mehr in Bildung und Gesundheit investiert.

5. Bildung

Während der Zeit des Militärregimes ist der Bildungssektor in Myanmar drastisch geschrumpft. Den Anteil, welchen die Regierung im Jahr für die Bildung investiert, ist dramatisch gering – er liegt gerade einmal bei 1,2% der Staatsausgaben.
Für die Kinder in Myanmar gilt zwar die allgemeine Schulpflicht, jedoch schließen weniger als 70% der Kinder die Grundschule ab und nur rund 20 von 100 Schülern besuchen eine weiterführende Schule. Fast alle Bildungseinrichtungen sind staatlich, jedoch konnten sich in der letzten Zeit auch viele private Investoren finden, welche auf diesem Weg versuchen das Bildungssystem in Myanmar zu verbessern. Die geschätzte Alphabetisierungsrate liegt bei 85%, was im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern relativ hoch ist. Dies kommt durch die vielen buddhistischen Klosterschulen, welche religiösen Anhängern eine Grundausbildung ermöglichen.
Die Amtssprache ist birmanisch, in welcher es rund 110 verschiedene Dialekte gibt. In Touristengebieten kann man sich mit Englisch verständigen, in anderen Teilen des Landes sprechen jedoch sehr viele Menschen kein oder nur sehr schlechtes Englisch.
 

6. Medizinische Versorgung

Junge bei einer ZahnbehandlungDie medizinische Versorgung in Myanmar ist nicht mit den Gegebenheiten in Europa zu vergleichen. Es mangelt an medizinischen Geräten, ausgebildeten Englisch oder Französisch sprechenden Ärzten und vor allem an der Hygiene. Im Landesinneren ist die medizinische Versorgung weitestgehend gewährleistet, im Süden hingegen ist eine ärztliche Behandlung so gut wie gar nicht vorhanden. Lediglich in der nächst größeren Stadt Yangon können Notfälle betreut werden. Wenn es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, werden diejenigen, die es sich leisten können, in Thailand beziehungsweise in Europa versorgt. Laut offiziellen Angaben gibt es in jeder Region ein größeres Krankenhaus – in der Realität erstreckt sich das Gesundheitssystem jedoch gerade einmal auf das zentrale Drittel des Landes.
Die bestehende Situation der schlechten medizinischen Versorgung hat viele Ursachen. Die Gebiete ethnischer Minderheiten werden medizinisch vernachlässigt und das kaum vorhandene Personal ist chronisch unterbezahlt. Auf jeden ausgebildeten Arzt kommen in Myanmar bis zu 3500 Patienten, in Deutschland vergleichsweise nur rund 285. Im gesamten Land gibt es nur einen Herzchirurgen, aber 2500 Zahnärzte. Im Jahr 2010 standen so zum Beispiel pro Patient 0,6 Krankenhausbetten in Myanmar zu Verfügung. In Deutschland hingegen 8,5. Auch die Versorgung mit den einfachsten Medikamenten gestaltet sich außerhalb der größeren Städte sehr schwierig.Blutdruckmessung bei einem Patienten
Generell wenden sich die Einwohner bei einer Erkrankung erst einmal an ihren traditionellen Heiler, denn Aufenthalte in den wenigen staatlichen Krankenhäusern sind kostenpflichtig und Angehörige verschulden sich daher schnell. Zum Beispiel müssen Patienten auch ihr eigenes Bettzeug mitbringen und werden von der Familie mit Essen versorgt.
Die gesundheitlichen Probleme der Bevölkerung sind vielfältig. Eine weit verbreitete Krankheit in Myanmar ist der zu hohe Blutdruck. Dies liegt hauptsächlich an dem zu salzigen Essen, der mangelnden Bewegung und dem steigenden Alkoholkonsum. Weiter zählen zu den drei dominanten Todesursachen Schlaganfälle, Atemwegsinfektionen und Ischämische Herzerkrankungen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass man vor seinem 15. Lebensjahr stirbt, beträgt bei der männlichen Bevölkerung 23% und bei der weiblichen 18%. Zu 69% erreichen die Männer nicht das Alter von 70 Jahren. Bei Frauen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 59%. Die vergleichbar erhöhte Wahrscheinlichkeit bei der männlichen Bevölkerung liegt vor allem an dem hohen Tabakkonsum. Diese Werte spiegeln sich auch in der geringen Lebenserwartung wieder. Diese liegt bei 65 Jahren. Auch kämpft das Land mit einer hohen Säuglingssterblichkeitsrate. Von 1000 Geburten sterben rund 62 Babys. Die Ursachen hierfür sind vor allem die schlechten hygienischen Bedingungen und die geringe medizinische Betreuung der schwangeren Mütter.

Medikamente für die PatientenDie Verbreitung von Krankheiten werden durch zu oft verwendete Spritzen, mangelnder medizinscher Kenntnis und infizierten Blutinfusionen begünstigt. Dadurch konnte der HI-Virus in den letzten Jahren eine hohe Zuwachsrate verzeichnen. Auch der häufige Drogenmissbrauch, Prostitution und mangelnde Aufklärung erleichtern eine Infizierung.
Die Ausgaben des Staatshaushaltes für das Gesundheitssystem liegen bei niedrigen 1%. Für die Regierung hat die Volksgesundheit gegenüber anderen Zielen, wie Militär und Propaganda, eher eine geringe Priorität. So ist es kein Wunder, dass das Gesundheitssystem Myanmars zu den schlechtesten Asiens zählt.
Durch den Wechsel der Regierung 2015 erhofft man sich nun auch positive Auswirkungen auf das Gesundheitssystem in Myanmar. Es werden deutlich mehr Ärzte, Krankenhäuser und eine bessere Versorgung mit Medikamenten benötigt. Weitere Investitionen wie in beispielsweise eine Krankenversicherung der Bevölkerung sind dringend notwendig. Momentan wir das Land von vielen freiwilligen Hilfsorganisationen und Stiftungen unterstützt. Das Ziel ist jedoch, dass Myanmar sich in Zukunft selbst helfen und das gesundheitliche Wohl der eigenen Bevölkerung gewährleisten kann.

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