Landschaft in Namibia

„Die Erde ist nicht unsere, es ist ein Schatz, den wir treuhänderisch für zukünftige Generationen halten.“

(Sprichwort aus Namibia)

1. Geografische Lage und Bevölkerung

Im südwestlichen Afrika, am Atlantik zwischen Angola, Botsawana, Sambia und Südafrika liegt Namibia. Es ist das einzige Vierländereck der Erde. Der Name des Staates leitet sich von der Wüste Namib ab, die den gesamten Küstenraum des Landes einnimmt. Mit einer Größe von rund 825.000 Quadratkilometern ist das Land mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Nach der Mongolei gilt Namibia als der am dünnsten besiedelte unabhängige Staat der Erde. Aufgrund des großen Flächenanteils der Namib-Wüste hat das Land gerade einmal 2,3 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung konzentriert sich auf wenige Städte und auf den fruchtbaren Norden des Landes. Allein in der Hauptstadt Windhoek haben mehr als 300.000 Menschen ihren Wohnsitz. Laut UNAIDS (2014) lebt etwa die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der internationalen Armutsgrenze. Die meisten Namibier gehören aufgrund der Missionierung während der Kolonialzeit dem Christentum an, womit das Land deutlich über dem afrikanischen Durchschnitt liegt.

2. Klima und Infrastruktur

Namibia ist landschaftlich im Wesentlichen von trockener Landschaft geprägt. Die zwei Wüsten, im Westen die Namib und im Osten die Kalahari, beherrschen das Land. Neben der Regenzeit von Januar bis März überwiegt in Namibia das heiße und trockene Klima – Unterschiede gibt es trotzdem zwischen den Landesteilen. So charakterisieren tages- und jahreszeitlich stark schwankende Temperaturen das Wetter. In Namibia gibt es zahlreiche Flüsse, jedoch führt keiner davon ganzjährig Wasser. Häufig findet man außerhalb der Regenzeit nur ausgetrocknete Flussbette. Das Land zählt zu den wildreichsten Gebieten Afrikas. Besonders Springböcke, Antilopen, Warzenschweine aber auch südafrikanische Seebären fühlen sich in Namibia wohl.
Namibia verfügt mit über die am besten ausgebaute Infrastruktur in ganz Afrika. Öffentliche Transportmittel sind trotz des gut ausgedehnten Straßennetzes, welches weitestgehend die bewohnten Gebiete des Landes erschließt, kaum vorhanden. Das Schienennetz stammt noch aus der Kolonialzeit um 1900 und wird hauptsächlich für die Güterbeförderung genutzt.

3. Geschichte

Ursprünglich war Namibia durch die San und Damara besiedelt, welche als die Buschleute Afrikas bekannt waren. Ab 1820 wurde das Land durch die weißen Kolonialisten von der europäischen Kultur beeinflusst und geprägt, ab 1885 befand sich das Land dann auch unter der Herrschaft des Deutschen Reiches und wurde zur Kolonie. Im Jahre 1919 wurde das Gebiet Südwestafrika, welches die Bezeichnung für Namibia während der Fremdverwaltung war, zum Mandat von Südafrika und stand unter dessen Verwaltung. Mit der offiziellen Umwandlung 1946 des Gebietes in ein Treuhandgebiet der UNO sollte der Einfluss Südafrikas reduziert werden, was von Südafrika jedoch nicht akzeptiert wurde. Vielmehr gliederte Südafrika 1949 das Gebiet als 5. Provinz der Südafrikanischen Union ein. Erst nachdem der Internationale Gerichtshof in Den Haag 1971 die südafrikanische Verwaltung für illegal erklärt hatte, war Südafrika 1972 bereit, Südwestafrika nach einer angemessenen Übergangszeit in die Unabhängigkeit zu entlassen.
Das Verhalten Südafrikas war aber auch in Südwestafrika selbst auf zunehmenden Widerstand gestoßen. Die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes verlieh diesem Widerstand die gewünschte Legitimation, was letztlich sogar dazu führte, dass die mehrheitlich von den Ovambo getragene Unabhängigkeitsbewegung Südwestafrikanische Volksorganisation (SWAPO) 1973 von der UNO das Alleinvertretungsrecht für Namibia zuerkannt bekam.
Es folgte ein Jahrzehnte dauernder Kriege gegen in- sowie ausländische Apartheidsgegner und Befreiungsbewegungen in Namibia und Angola. Der Krieg endete 1988 mit dem Waffenstillstand zwischen Südafrika und Angola und der sich daran anschließenden Vorbereitung von Wahlen in Namibia. Mit der Verabschiedung der Verfassung ist das Land seit dem 21.03.1990, nach mehr als 100-jähriger Fremdbestimmung, ein unabhängiger Staat. Dieser Tag ist seitdem Nationalfeiertag des Landes.

4. Politik und Wirtschaft

Die Regierung wird seit der Gründung der Republik 1990 ununterbrochen von der „South West Africa People’s Organisation“ (SWAPO) gestellt. Sie ist die Partei der größten Bevölkerungsgruppe, der Ovambo. Inzwischen ist Namibia ein demokratischer Staat, dessen Verfassung grundlegende Menschen- und Freiheitsrechte weitestgehend gewährleistet. Trotz der Tendenz zu einem Einparteiensystem versucht der Staat sich mit seiner Politik an den westlichen Demokratien zu orientieren. Es wird allerdings noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, bis die rechtlichen und politischen Vorgaben ihren Niederschlag in den traditionellen Verhaltensmustern der Gesellschaft gefunden haben.
Die Wirtschaft Namibias hat sich nach dem Krisenjahr 2009 stabilisiert. Das Land verfügt über einen großen Reichtum an Bodenschätzen, einen ausgeprägten primären Sektor und übt durch die landschaftliche Vielfalt eine hohe Anziehungskraft auf Touristen aus. Daher zählen der Bergbau, Fischfang und -verarbeitung sowie Landwirtschaft und Tourismus zu den Hauptwirtschaftszweigen des Landes. Allerdings reichen die Erzeugnisse der Landwirtschaft nicht ansatzweise aus, um die Bevölkerung ausreichend zu ernähren. Der landwirtschaftliche Anbau ist durch die klimatischen Verhältnisse sehr beschränkt. Auch kämpft das Land nach wie vor mit einer hohen Arbeitslosigkeit von rund 30 %. Nichtsdestotrotz haben sich viele internationale Geldgeberorganisationen in den letzten Jahren zurückgezogen, weil das Land – angesichts seiner Ressourcen – als wohlhabend gelten kann. Mit einem steigenden Bruttonationaleinkommen zählt Namibia zu den „Ländern mit höherem mittleren Einkommen“. Diese Einstufung des Landes, bei der das Durchschnittseinkommen als Bemessungsgrundlage herangezogen wird, spiegelt jedoch nicht die tatsächliche Situation im Land wider. Ein sehr kleiner Teil in Namibia verdient sehr gut, wodurch der Durchschnitt deutlich verfälscht wird. Trotz einer schnell wachsenden Mittelschicht ist das Volkseinkommen immer noch sehr ungleich verteilt und etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt immer noch unterhalb der internationalen Armutsschwelle.

5. Bildung

Das Recht auf Bildung ist in Namibia in der Verfassung verankert. Die Unterstützung durch den Staat für das Bildungssystem in Namibia, vor allem in finanzieller Art, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. So investiert der Staat jährlich 20% des Budgets in Bildung. Langfristig soll das Ziel, allen Kindern bis zum 16. Lebensjahr eine Schuldbildung zu ermöglichen, erreicht werden kann. Daher wurde im Dezember 2012 der kostenlose Grundschulbesuch landesweit eingeführt. Das erklärte Ziel ist es, dies auch für die Sekundarschulbildung zu schaffen. Problematisch für viele Familien ist allerdings, dass zwar der Besuch einer Schule kostenlos angeboten werden kann, sich aber viele die benötigten Materialien und die vorgeschriebene Uniform nicht leisten können. Auch befinden sich große Teile des Bildungsbereiches in privater Trägerschaft. Seit 2015 wird eine neue Bildungsreform umgesetzt, die unter anderem den muttersprachlichen Unterricht in allen Fächern bis einschließlich der 5. Klasse einführt. Durch die Prägung aus der Kolonialzeit ist die deutsche Sprache weit im Land verbreitet und wird unter anderem vereinzelt auch in Schulen unterrichtet. Die Investitionen in Bildung spiegeln sich in einer steigenden Alphabetisierungsrate von 89% wider. Trotzdem scheitert die Regierung bislang an der Umsetzung. Aufgrund herrschender Armut sind viele Familien auf die Hilfe und Arbeitskraft ihres Kindes angewiesen. So bekommen viele Kinder keine Chance auf Bildung und haben somit keine Möglichkeit, in ein besseres Leben zu starten. Die langen Schulwege, ungeplante Schulschwangerschaften und die vielen Nomaden-Völker, die im Land umherziehen, erschweren den Besuch einer Schule und den Aufbau eines funktionierenden Bildungssystems. Bisher haben sich lediglich zwei Hochschulen in Namibia etabliert. Auch Stipendien werden kaum an begabte Schüler vergeben. In einem kontrastreichen Land wie Namibia ist es nicht leicht, allen gerecht zu werden. So ist die Regierung von ihrem Ziel, allen Kindern eine Grundbildung mit auf den Lebensweg zu geben, noch weit entfernt.

6. Medizinische Versorgung

Die Gesundheitspolitik wurde nach der Unabhängigkeit des Landes neu ausgerichtet. Bis heute kann man jedoch noch nicht von einem flächendeckenden Netz der Gesundheitsversorgung sprechen, denn die Ärzte konzentrieren sich natürlich vor allem auf die größeren Städte des Landes, die eine ansprechende Infrastruktur und Lebensqualität bieten. Landesweit gibt es rund 310 medizinische Einrichtungen, zu welchen die Bürger Zugang haben. Die meisten Ärzte versuchen in privaten Arztpraxen und Kliniken zu arbeiten, wo sie deutlich bessere Arbeitsbedingungen vorfinden und ein wesentlich höheres Einkommen erzielen können. Insgesamt gibt es in Namibia nur rund 54 öffentliche Apotheken, welche zudem sehr ungleich verteilt sind. Alleine in der Hauptstadt Windhoek siedeln sich ca. 25 Apotheken an. Angehörige der afrikanischen Ethnien bevorzugen nach wie vor den traditionellen Heiler des Landes, auch bekannt unter dem Namen „witch doctors“. Mit einer Ärztedichte von nur 0,37 Ärzten pro 1.000 Einwohner liegt Namibia nur an 131. Stelle weltweit. Im Vergleich zu Deutschland, wo auf einen Arzt 285 Einwohner kommen, sind es in Namibia rund 2.700 Einwohner auf gerade einen Arzt. Für spezielle Behandlungen und Eingriffe fehlen in Namibia allerdings oft die notwendigen Spezialisten, so dass die Namibier, die es sich leisten können, für schwierigere Eingriffe oft lieber nach Südafrika fliegen. Hinzu kommt, dass nur 20 bis 30% der Bevölkerung überhaupt Krankenversichert sind und die Unterschicht es sich kaum leisten kann von einem Arzt untersucht oder behandelt zu werden.
Aufgrund der unzureichenden medizinischen Versorgung ist der Gesundheitszustand großer Teile der Bevölkerung erheblich beeinträchtigt. Vor allem kämpft das Land mit einer hohen Säuglingssterblichkeitsrate. Innerhalb der ersten 12 Monate sterben 45,6 Kinder pro 1000 Geburten. Im Vergleich zu Deutschland ist diese Rate 13-mal höher und immer noch 4,5-mal höher als im Nachbarland Botswana. Im Norden des Landes ist Malaria besonders ausgeprägt und auch Tuberkulose, welche in vielen anderen Ländern durch Impfmaßnahmen kaum noch vorkommend ist, ist in Namibia noch immer ein erhebliches Problem. Dennoch zählt Aids nach wie vor zur häufigsten Todesursache in Namibia. So waren 2014 260.000 Einwohner HIV-positiv und über 5.000 Menschen starben an den Folgen des Virus. Mit einer Infektionsrate von 16% im Alter zwischen 15 und 49 Jahren ist dieser Wert immer noch extrem hoch. Damit hat Namibia die siebthöchste HIV-Rate weltweit. Auch wenn den HIV Patienten eine antiretrovirale Therapie angeboten werden kann, befolgen diese die vorgeschriebene Behandlung häufig nicht, da die schwer verträglichen Medikamente einer ARV-Behandlung nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden können. Auch die Ernährungslage auf dem Land verschlechtert sich zusehends. In vielen Haushalten reichen weder Geld noch die Ernte, um satt zu werden. Die Mütter selbst sind meist alleine und zu geschwächt, um für ihre Kinder sorgen zu können. Aus Geldmangel wird oft gestillt – und das Kind unweigerlich der Gefahr ausgesetzt, sich ebenfalls mit dem Virus zu infizieren. Nicht selten sterben die Menschen auch an Schlaganfällen oder Atemwegsinfektionen. Weitere Risikofaktoren bei der erwachsenen Bevölkerung sind zu hoher Blutdruck und ein vermehrter Tabak- sowie Alkoholkonsum.

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