OP-Saal in der Santa Casa

„Wichtig ist nicht, dass man im Leben jemand ist, etwas hat oder nach etwas aussieht. Wichtig ist, dass man etwas tut, etwas aufbaut, etwas verändert.“

(Brasilianisches Sprichwort)

1. Geografische Lage und Bevökerung

Brasilien grenzt an zehn südamerikanische Nachbarstaaten mit Ausnahme von Chile und Ecuador. Es ist mit seinen rund 200 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 8,5 Millionen Quadratkilometern das bevölkerungsreichste und größte Land Südamerikas, denn es nimmt rund 47% des Kontinents ein. Weltweit ist Brasilien flächen- und bevölkerungsmäßig sogar der fünftgrößte Staat der Erde. Die Hauptstadt ist Brasilia, welche im Südosten des Landes liegt, und nicht wie meist vermutet Rio de Janeiro.
Der Name Brasilien geht auf den portugiesischen Namen des Brasilholz-Baumes zurück, welcher zur Kolonialzeit ein wichtiges Exportprodukt war. „Brasa“ bedeutet so viel wie Glut und das dazugehörige Adjektiv „brasil“ bedeutet glutartig, was auf die Färbung des Holzes zurückzuführen ist.
Die Landschaft Brasiliens ist von ausgedehnten Regenwäldern des Amazonas, Tiefländer im Norden und Hochebenen und Gebirge im Süden gekennzeichnet. Während der landwirtschaftliche Schwerpunkt des Landes eher im Süden und Mittelwestens des Landes liegt, lebt der Großteil der Bevölkerung in der Nähe der Atlantikküste. Der wichtigste Fluss ist der Amazonas, welcher zugleich der wasserreichste Fluss der Erde ist.
Insgesamt ist Brasilien von einer sehr jungen Bevölkerung geprägt, wobei die Lebenserwartung derzeit bei ca. 73 Jahren liegt. 87% der Bevölkerung leben in den rasant wachsenden Städten Brasiliens – dabei konzentrieren sich 90% auf die Staaten der Ost- und Südküste. In den großen Städten wie Rio de Janeiro herrscht eine sehr hohe Bevölkerungsdichte, wobei die Bergregionen kaum besiedelt sind.

2. Klima und Infrastruktur

Das Klima in Brasilien ist überwiegend tropisch mit minimalen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Im Süden herrscht ein gemäßigtes Klima, im Amazonasbecken findet man reichhaltige Niederschläge und im Nordosten auch trockene Landschaft mit Dürrezeiten. Zu den heißesten Monaten gehören aufgrund der Lage auf der Südhalbkugel der Januar und der Februar und zu den kühlsten der Juli und der August. Die Jahreszeiten sind demnach konträr zu denen in Deutschland.
Die Straßennetze Brasiliens sind die zweitlängsten weltweit, jedoch befinden sie sich in einem sehr schlechten Zustand. Das Schienennetz erfährt seit dem Ausbau des Straßennetzes eine nicht mehr allzu große Bedeutung. Aufgrund der Überlastung des größten Flughafens in Sao Paolo wird in 80 km Entfernung derzeit der größte Flughafen Lateinamerikas gebaut. Nichtsdestotrotz können sich die meisten Einheimischen kaum ein Flugticket leisten, weswegen sie noch häufig lange Busfahrten auf sich nehmen müssen. Ein weiteres Problem stellt die immer weiter voranschreitende Urbanisierung dar. Die ländliche Bevölkerung wandert in die großen Städte ab, um dort Arbeit zu finden. Die Städte Brasiliens wachsen dadurch rasant, jedoch wird die Infrastruktur nicht in gleichem Maße weiterentwickelt. So bilden sich immer mehr Armenviertel, die sogenannten „Favelas“. Die hohe Kriminalitätsrate und die schlechten hygienischen Verhältnisse sind dort äußerst problematisch.

3. Geschichte

Bereits 1494 wurde auf Antreiben von Papst Alexander VI. im Vertrag von Tordesillas eine Aufteilung Südamerikas in spanisches und portugiesisches Gebiet beschlossen. Die gesamte Westküste wurde Spanien und die heutigen brasilianischen Küstengebiete Portugal zugesprochen. Diese Zuteilung erlaubte es Portugal später die östlichen Gebiete Brasiliens zu kolonisieren. Jedoch erkannten die anderen großen Seemächte wie England und Frankreich den Vertrag nicht an. Aus diesem Grund beschloss die portugiesische Krone europäische Siedler nach Brasilien zu schicken. Die dort lebenden Indios revoltierten mehrfach – jedoch ohne Erfolg. Sie wurden in das Gebiet der heutigen Küstenstadt Salvador de Bahia gebracht, um dort schwere körperliche Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen zu verrichten. So wurde Salvador 1549 auch zur Hauptstadt Brasiliens, ehe es den Titel 1763 aufgrund der wirtschaftlichen Verlagerung an Rio de Janeiro verlor. Zwischenzeitlich entstand ein Kolonialkrieg zwischen dem Königreich Portugal und der Republik der Vereinigten Niederlande. In den Jahren von 1624 bis 1661 versuchte die Niederlande in mehreren Schlachten Teile des Landes zu erobern. Am Ende mussten sie sich geschlagen geben und Portugal die alleinige Herrschaft überlassen. Schon ab dem 17. Jahrhundert wurde im Hinterland Brasiliens nach Bodenschätzen gesucht und große Mengen an Gold und Diamanten gefunden. Dieser Reichtum bildete die Grundlage für die Entstehung der barocken Städte Brasiliens.

4. Politik und Wirtschaft

Brasilien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von ca. 2,3 Milliarden USD die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die hohe Diversifikation der Wirtschaft wird bei der Verteilung der Bruttowertschöpfung deutlich: Etwa 69% der Bruttowertschöpfung wird im Dienstleistungssektor erbracht, rund 25% in der Industrie und etwa 6% BIP-Anteil in der Landwirtschaft. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ca. 11.600 USD.
Zwischen 2004 und 2011 konnte die brasilianische Wirtschaft ein immenses Wachstum verzeichnen und das BIP expandieren. Mit einem Wirtschaftswachstum von 4,9% wurde Brasilien zu einer der am schnell wachsensten Wirtschaften weltweit gezählt. Begünstigt wurde das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien vor allem durch hohe Wachstumsraten und dem soliden Beschäftigungszuwachs. Bis vor wenigen Jahren profitierte das Land noch von dem rasanten Anstieg der Rohstoffpreise, steigenden Löhnen und dem verbesserten Zugang zu Verbraucherkrediten. Überraschend kam dann 2012 der Einsturz der brasilianischen Wirtschaft. So musste das Land bereits 2014 nahezu ein Null-Wachstum verzeichnen. Eine große Rolle für das prognostizierte negative Wachstum spielt vor allem die Verschlechterung der Situation auf dem Arbeitsmarkt und dem daraus resultierenden Anstieg der Arbeitslosenquote. Auch die Industrie, deren Produktion kontinuierlich seit 2014 sinkt, verhindert ein Wirtschaftswachstum.
Nach der im Jahre 1822 erlangten Unabhängigkeit, auf die eine Zeit der konstitutionellen Monarchie folgte, wurde das Land 1889 als Vereinigte Staaten von Brasilien zu einer Republik. Die mehr als drei Jahrhunderte andauernde Kolonialzeit, in der Einwanderer verschiedenster Herkunft nach Brasilien kamen, trug erheblich zur ethnischen Vielfalt des heutigen Staates bei. Nach der Zeit der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 kehrte das Land zur Demokratie mit einem präsidentiellen Regierungssystem zurück. Von den Jahren 1964 bis 1985 wurde das Land vom Militär regiert. Die Militärdiktatur unterdrückte die Opposition und entzog oppositionellen Bürgern die Wahlrechte. Während dieser Zeit litten vor allem die Bürger der Unterschicht, die einfache Landbevölkerung und die ethnischen Minderheiten unter Menschenrechtsverletzungen und Freiheitsberaubung. Die Folge dieser Politik war eine hohe öffentliche Verschuldung und nicht rentable Staatsbetriebe. Bei der heutigen Staatsform Brasiliens handelt es sich um eine Republik mit einem Regierungssystem der präsidentiellen Demokratie. Die Parteienlandschaft in Brasilien ist schwach und ideologisch wenig begründet. Die Politiker Brasiliens müssen sich regelmäßig Korruptionsvorwürfen stellen.

5. Bildung

Das Schulsystem Brasiliens war lange Zeit in den Händen des Jesuitenordens. Die Mitglieder dieser katholischen Ordensgemeinschaft unterhielten zwei verschiedene Schultypen: Eine Schule für die Oberschicht und eine für die indigene Bevölkerung. Erst nach der Enteignung der Jesuiten im Jahr 1759 wurde dieses System abgeschafft. Die Schulen für die Ureinwohner verschwanden und die Schulen für die Oberschicht wurden von den Priestern übernommen. Auch kurze Zeit nach der Unabhängigkeit Brasiliens gab es noch keine kostenlosen Primärschulen, dafür wurden Kaderschulen (Militärschulen) errichtet. Erst während der 70er Jahren setzte sich unter dem Militärregime erstmalig der Gedanke durch, allen sozialen Schichten einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Dennoch leidet das staatliche Erziehungswesen weiter unter geringer finanzieller Ausstattung, Lehrermangel und unzureichender Qualifikation vieler Lehrer. Trotz einer weltweit überdurchschnittlichen Alphabetisierungsrate beträgt der Anteil der funktionalen Analphabeten an der Gesamtbevölkerung noch immer etwa 20%. Starke Qualitätsunterschiede bestehen zwischen den öffentlichen und privaten Schulen. Die Probleme bestehen verschärft in ländlichen Gebieten und in ärmeren Bundesstaaten. Dort führt der Schulbesuch mangels qualifizierter Lehrer kaum zu signifikanten Lernerfolgen. Die Kinder der ärmeren Landbevölkerung können auch nur sehr selten ihrer Schulpflicht nachkommen, da den Eltern meistens das Geld für Bücher und Uniformen fehlt und es zudem nicht genügend Plätze in den Schulen gibt. In der Oberschicht werden die Kinder fast alle ausschließlich in von ihren Eltern finanzierte Privatschulen geschickt. Trotzdem ist die Situation der staatlichen Schulen in Brasilien insgesamt schlecht. Mangelnde Ausstattung und bauliche Defizite stellen nur einen kleinen Teil der großen Probleme dar. Auch aufgrund schlechter Bezahlung der Lehrer kommt es immer wieder zu Streiks, welche zu massiven Unterrichtsausfällen führen. Die Ursache der schlechten Situation liegt bei den geringen Investitionen der Regierung für Bildung. Nur rund 3,4% des Bruttoinlandproduktes werden für 200 Millionen Einwohnern investiert.

6. Medizinische Versorgung

Die brasilianischen Gesundheitsindikatoren zeigen trotz der ungünstigen ökonomischen Entwicklung seit Mitte der 80er Jahre eine allmähliche Tendenz zur leichten Besserung. So stieg beispielsweise die Lebenserwartung in den letzten Jahren auf 73 Jahre. Nichtsdestotrotz bestehen weiterhin starke Ungleichheiten bei der Morbidität und Mortalität zwischen der Bevölkerung der verschiedenen Regionen und sozialen Klassen. Ein Grund dafür ist auch die geringe Bereitstellung von finanziellen Mitteln des Staates für das staatliche Gesundheitssystem. Nur rund 8,9% des BIPs werden in die Gesundheit der Bevölkerung investiert. Jährlich werden im Schnitt pro Einwohner 716 USD in das öffentliche Gesundheitswesen eingezahlt. Brasilien liegt mit nur 470 USD deutlich unter dem Durschnitt und auf einem Niveau mit vielen afrikanischen Ländern. Generell gibt es für alle Brasilianer und in Brasilien lebenden Menschen das kostenlose Gesundheitssystem SUS. Diese Versicherung übernimmt die Kosten von einfachen Behandlungen, jedoch nicht von größeren Eingriffen. Zusätzlich gibt es für die Bevölkerung die Möglichkeit sich privat zu versichern. Mit umgerechnet 470 Euro ist der Beitragssatz allerdings deutlich zu hoch für das Durchschnittseinkommen der Brasilianern, sodass sich derzeit nur 25% der Bürger diesen Luxus leisten können. Armut und ungleiche Einkommensverteilung haben erhebliche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand einer Bevölkerung. In den sozial schwächeren Schichten haben die meisten Krankheiten stärkere Auswirkungen, chronische Krankheiten treten bereits in früheren Lebensphasen auf und die durchschnittliche Lebenserwartung ist geringer.
Am meisten mangelt es in Brasilien an der Notfallversorgung von Patienten, an der Geburtsmedizin und der allgemeinen Ausstattung der Krankenhäuser. Die vielen Krankenhäuser und anderen medizinischen Einrichtungen sind stark renovierungsbedürftig und veraltet. Im Schnitt stehen pro 10.000 Einwohner nur rund 24 Krankenhausbetten zu Verfügung und auf 1000 Einwohner kommen nur 2 Ärzte. Zudem gibt es einen großen Unterschied zwischen den ländlichen Regionen und den Ballungszentren des Landes. In den großen Städten Brasiliens ist vor allem in den Privatkrankenhäusern eine gute medizinische Grundversorgung gewährleistet. Die wenigen ausgebildeten Ärzte wandern oft in die Großstädte ab, da dort die Jobaussichten und die Verdienstmöglichkeiten besser sind als auf dem Land. Dies führt zu einem drastischen Ärztemangel in ländlichen Gebieten. Als Verbesserungsansatz von Seiten der Regierung wurden nun im öffentlichen Gesundheitssystem viele tausend Ärzte im Rahmen eines Regierungsprogramms aus dem Ausland zugelassen. Bisher kamen vor allem Allgemeinmediziner – hauptsächlich für Regionen, in denen es wenige Ärzte gibt und in die die brasilianischen Ärzte nicht gehen wollen. Hinzu kommt, dass die wenigen Krankenhäuser, die es in den ländlichen Regionen gibt, kaum eine vernünftige Grundausstattung haben. Auch die schlecht ausgestatteten Krankentransportmittel erschweren die Bedingungen für einen medizinischen Transport in eine größere Klinik. Häufig sind die Fahrzeuge nur mit einer ungesicherten Liege ausgestattet und weder Beatmungsgeräte noch EKG-Geräte können den Zustand des Patienten überwachen.
Zu den wohl häufigsten Todesursachen in Brasilien gehören Erkrankungen wie HIV, Tuberkulose, Malaria, Herzerkrankungen und Krebs. Die Ursache hierfür liegt bei den unzureichenden sanitären Bedingungen, mangelnder Aufklärung und geringer Krankheitsprävention. Aber auch Risikofaktoren wie Blutdruck, Tabakkonsum und Fettleibigkeit beeinflussen das Gesundheitsbild der Erwachsenen. Eine weitere schwerwiegende Folge der sozialen Ungleichheit ist der Anstieg der Gewalt. In den lateinamerikanischen Gesellschaften ist die Zahl der Gewalttaten in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Unter Jugendlichen ist Mord die häufigste Todesursache, wobei die Opfer überwiegend junge Männer aus den unteren sozialen Schichten sind. Fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern zwischen 12 und 18 Jahren gingen auf ein Gewaltverbrechen zurück. Ein weiteres Problem ist auch die hohe Säuglingssterblichkeitsrate, die vor allem die ärmeren Gebiete prägt.

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